6 weit verbreitete Mythen über E-Scooter

Story Highlights

  • E-Scooter ähnlich gefährlich wie Laufen oder Radfahren
  • E-Scooter Einführung soll kontrollierter ablaufen
  • CO2-Wert pro km niedriger als beim Auto oder ÖPNV
  • Befragte können sich E-Scooter als Autoersatz vorstellen

E-Scooter gelten als neue Mobilitätslösung für „die erste und letzte Meile.“ Doch die Skepsis bei den Deutschen bleibt groß. Woran kann das liegen? – Wir klären über die sechs größten Mythen zum Thema
E-Scooter auf.
Gerade erst wurde der Weg für die Zulassung im Straßenverkehr von E-Scootern, auch E-Tretroller genannt, frei gemacht. Entsprechend hartnäckig halten sich weitestgehend negative Mythen über die emissionsfreien und umweltfreundlichen Geräte. Wir haben diese Glaubenssätze einmal genauer unter die Lupe genommen.


Mythos 1: E-Scooter sind gefährlich und unsicher

Mythos #1: E-Scooter sind gefährlich und unsicher

Für die Behauptung E-Scooter seien unsicher oder gar gefährlich gibt es in Deutschland natürlich noch keine Studien. Die E-Tretroller müssen sich hierzulande noch beweisen.

Um die Sicherheitsfrage von E-Scootern zu beantworten können wir uns also nur mit einem Blick über den Atlantik behelfen. Zum Beispiel in die USA, in denen E-Scooter längst Teil des normalen Stadtverkehrs sind.

Eine Studie aus Austin, Texas, veröffentlicht im September 2018 von Centers for Disease Control (1), kommt nach einer dreimonatigen Untersuchung zu folgenden Schlüssen:

Besonders gefährdet: Fahranfänger!

Ein Drittel der in E-Scooter verwickelten Unfallopfer fuhr den E-Tretroller zum allerersten Mal. 63% der Unfallopfer gaben an, einen Unfall in weniger als zehn Fahrten erlebt zu haben. Der E-Scooter bedarf zu Anfang etwas Übung, da er eine gute Balance voraussetzt. Fahrsicherheitstrainings und umsichtiges Fahren gerade zu Beginn sind deshalb angezeigt.

Eine von fünftausend Fahrten endet im Krankenhaus

Etwa jede fünftausendste Fahrt resultierte in einem Unfall, der in einem Krankenhaus behandelt werden musste. Kleinere Verletzungen die zum Beispiel durch Hausärzte versorgt wurden, finden in dieser Zahl keine Berücksichtigung.

In der genannten Studie endete keiner der untersuchten Unfälle tödlich, auch wenn es Fälle wie diese bereits gegeben hat. Die Hälfte der Unfälle wurde als „schwerwiegend“ eingestuft. Alarmierend ist dabei die erschütternd geringe Zahl der Helmträger: Nur in einem Prozent der geschätzt eine Million Fahrten wurde ein Helm getragen.

Fast die Hälfte aller Verletzten erlitten übrigens eine Kopfverletzung.

Ähnlich gefährlich wie Laufen oder Radfahren

Wie in so vielen ähnlichen Studien fehlt auch in dieser der Zusammenhang, um die Daten beispielsweise mit der Gefährlichkeit von Auto- oder Fahrradfahrten zu vergleichen.

Streetsblog USA versuchte sich im Dezember 2018 dennoch an einer groben, natürlich nicht repräsentativen Kalkulation(2) zur Gefährlichkeit von E-Scootern. Geht man von den dort genutzten Zahlen aus, ist das Unfallrisiko in etwa mit dem von Fußgängern und Fahrradfahrern vergleichbar.

E-Scooter könnten die Anzahl schwerwiegender / tödlicher Autounfälle reduzieren

2018 veröffentlichte die amerikanische Stadt Portland eine Langzeitstudie (3), der zufolge Todesfälle und schwere Verletzungen durch E-Scooter sogar verringert werden könnten.

Auch hier wurden Unfälle mit E-Tretrollern registriert: 176 Unfälle bei rund 700.000 Fahrten, was 0,025 Prozent entspricht. Doch laut Aussage der Forscher könnte der E-Scooter als Alternative zum Auto genutzt werden. 34% der Anwohner und 48% der E-Tretroller fahrenden Touristen unter den Befragten, betrachteten den E-Scooter als möglichen Autoersatz. Wenn der E-Scooter zukünftig Autofahrten in nennenswertem Umfang ersetzen kann, könnte dies zu einer Reduzierung der Kfz-Unfallzahlen führen. Diese führen oftmals zu schwerwiegenderen Verletzungen als E-Scooter-Unfälle.

Fazit: Die Gefährlichkeit von E-Scootern ist aktuell ein Rechenspiel

Bei entsprechend verantwortungsvoller Nutzung sind E-Tretroller wahrscheinlich nicht gefährlicher als Auto- oder Radfahren.

Um ein wirklich realitätsnahes Bild der Gefährlichkeit von E-Scootern in Deutschland abzuzeichnen fehlen konkrete Zahlen. Aktuell können wir uns nur an ausländischen Studien orientieren und auch hier mangelt es an Kontext, um Unfallzahlen in Relation zu stellen.

Aus den bisher veröffentlichen Studien lässt sich der Schluss ziehen, dass gerade Fahranfänger besonders vorsichtig unterwegs sein sollten. Außerdem kann das Tragen eines Helms nur empfohlen werden.

Mythos 2: E-Scooter überfluten die Städte

Mythos #2: E-Scooter überfluten die Städte

Viele erinnern sich noch an das Chaos, dass die Leihfahrräder in vielen deutschen Städten auslösten. Praktisch über Nacht standen sie zuhauf, nicht selten unsachgemäß abgestellt, überall und häufig im Weg. So soll das mit der Einführung der E-Scooter in Deutschland ganz und gar nicht aussehen. Das behauptet jedenfalls Lawrence Leuschner, Gründer von TIER, in einem Interview mit der Zeit. (4)

E-Scooter-Überflutung in Deutschland soll es laut Leuschner nicht geben

Eine Überflutung mit Scootern sei nicht zu befürchten, denn das Angebot der E-Scooter laufe in Kooperation mit den jeweiligen Städten, so Leuschner, der mit TIER ab Juni 2019 E-Scooter in Deutschland zum Verleih anbieten möchte. Man plane langfristig mit Städten zusammenzuarbeiten und das Angebot zu koordinieren.

Von den Erfahrungen anderer Metropolen profitieren

Einen Vorteil hat es, dass Deutschland in der Zulassung der E-Tretroller bisher hinterherhinkte: Wir können von den Fehlern unserer Nachbarländer lernen und von den gemachten Erfahrungen profitieren.

Dort wo die E-Tretroller bereits im Einsatz sind, etwa in Wien, Kopenhagen oder Paris, zeigt sich vor allem eines: Wichtig sind klar definierte Regeln, die den Weg für E-Tretroller freimachen, ohne andere Verkehrsteilnehmer dabei in Gefahr zu bringen. Auch eine Reglementierung in Hinblick auf die Anzahl der Angebote hat in vielen Städten positive Auswirkungen gezeigt.

Mythos #3: E-Scooter Batterien werden rohstoffintensiv produziert und belasten die Umwelt

Mythos #3: E-Scooter Batterien werden rohstoffintensiv produziert und belasten die Umwelt

Hartnäckig hält sich die Angst, E-Scooter könnten am Ende gar kein umweltfreundliches Fahrzeug mehr sein. Denn schließt man die Wertschöpfungskette, Produktion und Transport mit ein, fallen trotz emissionslosem Fahren jede Menge Treibhausgase an.

Wir haben in diesem Artikel einen genauen Blick auf die CO2-Werte im Produktlebenszyklus eines E-Rollers geworfen.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Abhängig vom Produktionsland, der eigenen Nutzung und einem sinngemäßen Einsatz schneidet der E-Roller immer noch besser ab als der öffentliche Nahverkehr oder das Auto. Pro gefahrenem Kilometer wartet er üblicherweise mit niedrigeren CO2-Werten auf, auch dann wenn Produktion und Transport mitberücksichtigt werden.

Mythos #4: E-Scooter sind gefährlich für Fußgänger

Mythos #4: E-Scooter sind gefährlich für Fußgänger

Der Aufschrei war zunächst groß als Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Rahmen der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) vorschlug, langsamere E-Scooter dürften auf Gehwegen fahren. Nun wurde am 17. Mai 2019 über die eKFV auch beim Bundesrat abgestimmt.

Das Ergebnis: E-Scooter gehören ausschließlich auf Fahrradwege. Wo diese nicht vorhanden sind, muss auf der Straße gefahren oder auf dem Fußgängerweg geschoben werden. Zusammenstößen zwischen Fußgängern und E-Tretrollern soll so vorgebeugt werden.

Neue Verkehrsmittel brauchen eine Gewöhnungszeit

Besonders wichtig sei die gegenseitige Rücksichtnahme, gerade jetzt zur Einführung der E-Scooter, so sieht es TIER Geschäftsführer Leuschner in einem Interview mit der Zeit. (4) Auch die Sensibilisierung der Nutzer sei wichtig.

Mythos #5: E-Scooter sind kein Ersatz für das Auto

Manch einer wirft den emissionsfreien E-Scootern vor, sie seien gar keine umweltfreundliche Verkehrsalternative. Lediglich Fußgänger würden auf die E-Tretroller umsteigen, doch der Autoverkehr bliebe damit derselbe.

Dem gegenüber steht eine repräsentative Studie im Auftrag von Bitkom im Mai 2019.(5) Hier gaben rund 43 Prozent der 16- bis 64-Jährigen an, private Autofahrten in der Stadt durch E-Scooter zu ersetzen, wenn diese in ausreichender Menge vorhanden seien.

TIER-Geschäftsführer Leuschner sagte gegenüber der Zeit (4), eine durchschnittliche Autofahrt in Deutschland sei drei Kilometer lang. Das entspräche durchaus einer Strecke die sich mit dem E-Scooter lohne.

Das Argument, dass auf E-Scootern kein Beifahrer mitgenommen werden könne und kein Regenschutz bestehe, ließ er nicht gelten. Das beträfe schließlich ebenso Fahrräder und auch die hätten sich als Verkehrsmittel positiv etabliert.

Mythos 6#: E-Scooter sind teuer

Mythos 6#: E-Scooter sind teuer

In diesem Artikel haben wir über die Einstiegspreise und Instandhaltungskosten für E-Scooter bereits ausführlich berichtet. Dabei kommen die E-Tretroller nicht nur in Sachen Wartung besonders gut weg, sondern auch in Hinblick auf den Preis pro 100 gefahrenen Kilometern.

Wer noch nicht in einen eigenen E-Scooter investieren möchte, kann außerdem Gebrauch von Sharing-Angeboten für E-Tretroller machen.

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Tamara

Tamara ist unsere "Queen of Content:" Wenn sie nicht gerade durch die Welt reist, Tiere rettet oder Strände von Müll befreit, unterstützt sie uns im Innovation Lab der eprimo GmbH, unsere Artikel und Projekte in passende Worte zu verpacken. Aber nicht nur beim richtigen Ausdruck, auch in Sachen Design arbeiten wir immer wieder mit der staatl. geprüften Gestaltungs- und Medientechnischen Assistentin zusammen.
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