E-Scooter im nahen Ausland nutzen: Welche Regeln gelten?

Story Highlights

  • Für die meisten Länder gilt: Helm freiwillig, aber empfohlen!
  • Üblicherweise fahren auf Fahrradwegen erlaubt
  • Frankreich: bei Verstößen drohen hohe Geldbußen!

Die Regeln zur Nutzung von E-Scootern unterscheiden sich auch innerhalb Europas teils stark. Wer als Reisender im nahen Ausland unterwegs ist, sollte sich unbedingt vor der Fahrt mit einem Elektro-Tretroller über die landesspezifischen Vorschriften erkundigen.


E-Scooter sind in der Mobilitätshistorie noch eine relativ neue Entdeckung. Viele Länder haben derzeit kaum spezifische Regelungen für das Fahren mit E-Scootern getroffen. In Tschechien beispielsweise sind E-Tretroller mit normalen Fahrrädern gleichgestellt. In der Schweiz und in Slowenien gelten für sie hingegen die gleichen Vorschriften wie für E-Bikes.

Nur eine klare Tendenz lässt sich erkennen: E-Scooter dürfen üblicherweise auf Fahrradwegen gefahren werden. Auch auf das freiwillige Tragen eines Helms hat man sich kollektiv geeinigt. Lediglich in Portugal gibt es eine tatsächliche Helmpflicht. (1)

Sehen wir uns die einzelnen Länder etwas genauer an:


Paris, Frankreich: E-Scooter in der Stadt der Liebe

E-Scooter werden in Frankreich als „Trottinette“ betitelt. Und die französische Bevölkerung ist ihnen gegenüber sehr aufgeschlossen: Rund 230.000 E-Scooter wurden im vergangenen Jahr für den Eigenbedarf gekauft. Das bedeutet einen Anstieg von 129 Prozent gegenüber dem Jahr 2017. (2)

Dementsprechend gut werden auch die E-Mietroller in der Hauptstadt angenommen. Rund 12 Firmen bieten E-Scooter zum Verleih an, rund 20.000 soll es allein in Paris geben. (3)

Doch mit den steigenden Zahlen von E-Scooter-Besitzern und -Fahrern haben sich auch die Unfallzahlen erhöht.

Transportministerin Élisabeth Borne plant daher bis September 2019 die Nutzung der Elektroroller zu reglementieren.

Unter anderem soll es höhere Strafen für Vergehen geben: 135 Euro blühen E-Scooter-Fahrern dann für das unerlaubte Fahren auf Gehwegen. Wer mit mehr als 25 km/h unterwegs ist, soll sogar bis zu 1.500 Euro Bußgeld zahlen müssen.

  • Mietkosten ca.: 1€ + 0,15€ / Minute
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
  • Bürgersteige befahren: verboten


Athen, Griechenland: E-Scooter leihen und fahren

In Griechenland brauchte es kein Gesetz um den Weg für E-Tretroller freizumachen: Schon im Januar konnte der US-Anbieter Lime die ersten E-Tretroller einfach zum Verleih anbieten. Mittlerweile hat auch der Konkurrent Hive nachgezogen.

In Athen sind viele Straßen und enge Altstadtgassen bereits stark frequentiert. Fahrradwege gibt es nicht. E-Scooter-Fahrer müssen daher mit Gehwegen und Fußgängerzonen vorliebnehmen. Auch die engen Altstadtgassen werden mittlerweile befahren. Das sorgt nicht nur für Freude, vor allem bei anderen Verkehrsteilnehmern.

Da es gleich zu Beginn der E-Tretroller Einführung einen schweren Unfall mit einem Kind gab, wurde das Mindestalter für die Nutzung auf 18 Jahre angehoben. (4) 

  • Mietkosten ca.: 1€ + 0,15€ / Minute
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 20 km/h
  • Bürgersteige befahren: erlaubt


Brüssel, Belgien: E-Scooter fahren als Alternative zum Dauerstau

In Belgien gehören die E-Tretroller schon lange zum allgemeinen Verkehrsbild. Die Politik zeigt sich in der Unterstützung der E-Scooter vorbehaltlos: Seit dem 01. Juni 2019 gilt sogar eine höhere erlaubte Maximalgeschwindigkeit von 25 km/h. (5)

Rund 4.000 E-Scooter gibt es in Brüssel bereits zum Verleih. Wenn es nach den Plänen der belgischen Stadtverwaltung geht, sollen die E-Tretroller den Autoverkehr langfristig weitestgehend ersetzen. Um die Nutzung und das Parken der E-Scooter zu kontrollieren sind Parkverbotszonen geplant. (5)

  • Mietkosten ca.: 1€ + 0,15€ / Minute
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
  • Bürgersteige befahren: erlaubt, aber nur in Schrittgeschwindigkeit


Luxemburg: E-Tretroller boomen

Auch in Luxemburgs Städten finden die E-Scooter Anklang.

Die E-Scooter fallen rechtlich in die Kategorie der Fahrräder. Sie dürfen daher nur auf Straßen und Radwegen gefahren werden. Gehwege sind tabu. Wer dagegen verstößt und die Fußgängerzone befährt, riskiert eine Strafe von bis zu 74 Euro.

Weitere Reglementierungen zu E-Scootern, die in Luxemburg eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h erreichen dürfen, sind derzeit nicht vorgesehen. Dafür aber plant die luxemburgische Regierung wohl einen Zuschuss von 500€ für den E-Scooter-Kauf. (6)

  • Mietkosten: 1€ + 0,15€ / Minute
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
  • Bürgersteige befahren: verboten


Madrid, Spanien: 10.000 E-Scooter in der Hauptstadt

Als „Patinetes“ werden die E-Scooter in Spanien bezeichnet. Und sie erlebten einen regelrechten Boom in Madrid: Einen Sommer lang waren sie an jeder Ecke fahrend wie parkend zu sehen. Dann kam es zu einem Unfall, bei dem eine 92-jähriges Fußgängerin, an den Folgen eines Sturzes starb. Sie war zuvor von einem E-Scooter angefahren worden. (7)

Im Anschluss übernahmen die Rathäuser die Reglementierung der E-Scooter. 10.000 E-Scooter-Lizenzen wurden an insgesamt 18 Firmen ausgegeben. Zwölf davon bieten nun tatsächlich E-Scooter zum Verleih in der Stadt an.

Auf Gehwegen, Busspuren, Straßen mit mehr als einem Fahrstreifen pro Fahrtrichtung und auf der M-30 sind E-Scooter verboten. (8) Das Mindestalter für Fahrer liegt bei 16 Jahren.

  • Mietkosten ca.: 1€ + 0,12€ / Minute
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
  • Bürgersteige befahren: verboten


Prag, Tschechien: E-Tretroller-Zahlen steigen

Bereits im September 2018 rollten die ersten E-Tretroller durch die tschechische Hauptstadt. Mit bis zu 25 km/h dürfen E-Scooter durch die Stadt, nicht aber auf Gehwegen gefahren werden.

Verstärkte Patrouillen sollen dafür sorgen, dass die Regeln zur E-Scooter-Nutzung von Fahrern eingehalten werden. Wer mit einem Fehlverhalten erwischt wird, kann mit Strafen von bis zu 80 Euro rechnen.

  • Mietkosten ca.: 1€ + 0,15€ / Minute
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
  • Bürgersteige befahren: verboten


Rom, Italien: Die Monopattini / E-Scooter werden erwartet

Allein 230.000 „Monopattini“, so nennen die Italiener ihre E-Scooter, sollen im Jahr 2018 verkauft worden sein. (9) Jetzt sollen die E-Scooter nicht mehr nur für den eigenen Besitz erlaubt sein. Erwartet wird auch die Genehmigung für Roller-Sharingdienste in zahlreichen italienischen Städten.

Die Gemeinden sollen nun entscheiden auf welchen Straßen und Piazzen E-Scooter und andere mikromobile Fahrmittel genutzt werden dürfen. In Fußgängerzonen soll das Höchsttempo die sechs km/h nicht überschreiten. Außerhalb davon soll eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h erlaubt werden.

  • Mietkosten ca.: Sharing-Anbieter sollen in Kürze starten
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 20 km/h
  • Bürgersteige befahren: bis 6 km/h


Stockholm, Schweden: Mindestens 2.000 E-Scooter in der Hauptstadt

Seit September 2018 rollen die grünen E-Flitzer durch die schwedische Hauptstadt. Rechtlich sind sie Fahrrädern gleichgestellt. Ihre Zahl wird auf 2.000 geschätzt, soll sich in diesem Sommer aber Prognosen Zufolge verdoppeln.

Ebenso wie Fahrradfahrer dürfen E-Scooter nicht nur auf Fahrradwegen, sondern auch auf Bürgersteigen und in Fußgängerzonen gefahren werden. Auch auf hochfrequentierten Autostraßen sind sie Teil des Verkehrs. (10)

Das E-Scooter fahren in Schweden ist also kaum eingeschränkt, erfordert aber besondere Rücksichtnahme und Vorsicht, damit keine anderen Verkehrsteilnehmer behindert oder gestört werden.

  • Mietkosten ca.: 10 SEK + 1.5 SEK – 3 SEK / Minute
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 20 km/h
  • Bürgersteige befahren: erlaubt


Wien, Österreich: Chaotische Einführung, nun geregelter E-Scooter Verleih

Sechs Anbieter stellen etwa 6000 E-Scooter zum Verleih in Wien zur Verfügung. Sowohl von Touristen als auch von Einheimischen werden die E-Tretroller genutzt.

Nach anfänglichem Chaos aufgrund mangelnder Vorschriften, hat die österreichische Regierung zum 01. Juni Neuregelungen auf den Weg gebracht. E-Scooter werden jetzt mit Fahrrädern gleichgestellt, dürfen nicht mehr auf Gehwegen fahren und die Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h nicht überschreiten.

  • Mietkosten ca.: 1€ + 0,15€ / Minute
  • Erlaubte Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
  • Bürgersteige befahren: verboten


Fazit: Die E-Scooter-Nutzung verlangt nach Regelungen

Egal in welches europäisches Land man blickt, die Geschichte der E-Scooter läuft in immer gleichen Bahnen ab: Nach einer plötzlichen Einführung ohne klare Richtlinien folgen, oft im Zusammenhang mit  schweren Unfällen, Vorschriften für die Nutzung, etwa zur Höchstgeschwindigkeit, die erlaubten Fahrwege und das Parken.

Dabei scheint man sich insgesamt auf eine Höchstgeschwindigkeit zwischen 20 – und 25 km/h zu einigen und das Fahren auf Bürgersteigen oder in Fußgängerzonen mehrheitlich zu verbieten.

Auch das Thema der Park- oder Fahrverbotszonen zieht aktuell von Land zu Land. In Deutschland diskutiert man aktuell beispielsweise in NRW über Parkverbotszonen, in Hamburg sind sie bereits eingeführt.

Dabei wird immer wieder an eines appelliert: Das Verantwortungsbewusstsein der E-Scooter-Fahrer und das Verständnis anderer Verkehrsteilnehmer

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Tamara

Tamara ist unsere "Queen of Content:" Wenn sie nicht gerade durch die Welt reist, Tiere rettet oder Strände von Müll befreit, unterstützt sie uns im Innovation Lab der eprimo GmbH, unsere Artikel und Projekte in passende Worte zu verpacken. Aber nicht nur beim richtigen Ausdruck, auch in Sachen Design arbeiten wir immer wieder mit der staatl. geprüften Gestaltungs- und Medientechnischen Assistentin zusammen.
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