Fahren E-Roller wirklich emissionsfrei? Wir checken die Ökobilanz von der Produktion bis zur einzelnen Fahrt!

Story Highlights

  • E-Scooter schneiden besser ab als Auto, Bus oder Bahn
  • Nur ökologisch sinnvoll wenn es eine andere Fahrt ersetzt
  • Voraussetzung: Lange Nutzungsdauer
  • Modelle aus europäischer Produktion bevorzugen - das spart Transportwege

Die Umwelt schonen durch emissionsfreies Fahren: Dieser Leitgedanke motiviert immer mehr Menschen zum Umstieg auf elektrisch betriebene Fahrzeuge. Doch schneidet der Elektroroller tatsächlich noch positiv ab, wenn Wertschöpfungskette und Lebensdauer berücksichtigt werden? Unter welchen Aspekten birgt die Anschaffung eines Elektrorollers einen echten Nutzen für die Umwelt? Als Scooter-Experten haben wir uns dieser Frage angenommen.



Die Welt braucht emissionsfreie, umweltschonende Transportmittel

Die E-Mobilität könnte sich als zukunftsfähiges Antriebskonzept etablieren. Und das ist dringend nötig, denn die globalen Ölressourcen sind endlich!

Umso wichtiger ist es mittel- bis langfristig auf eine sinnvolle Alternative zu benzin- oder dieselbetriebenen Fahrzeugen umzusteigen. Im besten Fall auf Alternativen die mit Strom aus regenerativen Quellen wie Wind-, Sonne- oder Wasserkraft betrieben werden können.

All das gilt bereits für den Elektroroller. Damit schonen sie die Umwelt und sind gleichzeitig ein Helfer im Kampf gegen den Klimawandel – oder?


Für die Produktion eines E-Rollers bedarf es Energie

Zu Beginn lässt sich gleich klarstellen: Vollkommen emissionsneutral ist der E-Roller nicht. Auch wenn die direkte Nutzung keine sichtbare Verschmutzung nach sich zieht, benötigen Herstellung und Transport große Mengen Energie.

Der Markt wird darüber hinaus von Billiganbietern, etwa aus China überschwemmt, einem Land, dass heute noch bis zu 70% des Stromes aus dem CO₂ intensiven Verbrennen von Steinkohle gewinnt. 2  

Treibhausgas intensive Produktionsstufen sind daher Teil des Produktlebenszyklus eines E-Rollers. Wie „grün“ ist das strombetriebene Fahrzeug damit tatsächlich?

Für eine realistische Einschätzung müssen alle Stationen inklusive ihrer Energienutzung addiert werden: Von der Produktion jedes Einzelteils bis hin zum Transport an den Einsatzort, der Betrieb und die spätere Entsorgung.

Bleiben wir im Beispielszenario mit der Produktherkunft in China. Hier muss der E-Roller einen Seeweg von rund 20.000 km nach Deutschland zurücklegen. 3 Allein durch sein zusätzliches Gewicht an Bord des Frachters wird bereits CO₂ ausgestoßen. Vergleichsweise etwa so viel CO2, wie eine 151 Tage lang dauerhaft brennende Glühbirne verbraucht.9

Doch auch ein in Deutschland produzierter E-Roller kann nicht ohne eine entsprechende Energieinvestition gebaut werden. Der verwendete Strom häufig aus Braun- und Steinkohleabbau, bildet dabei einen Teil der Grundlast. Er kommt überwiegend zum Einsatz, wenn das Wetter für Solar und Windkraft schlechte Bedingungen bietet. 5


Die CO2-Bilanz eines E-Rollers hängt von verschiedenen Faktoren ab

Wir haben für dich recherchiert und aus verschiedenen wissenschaftlichen Erhebungen CO2-Werte der einzelnen Stationen zusammengetragen. Diese wären Batterieherstellung und Recycling, Transport per Schifffracht und LKW, Casing-Produktion, also die Herstellung der Schutzbleche und Sitzteile, die Wiederverwertung dessen sowie die Rollerbenutzung selbst und die spätere Entsorgung.

 Abhängig von der Berechnungsgrundlage kann die jeweilige CO₂-Bilanz stark variieren.

Beispielsweise fällt die CO2-Bilanz der Rollerherstellung um ein Vielfaches besser aus, wird der Strommix aus überwiegend regenerativen Energien gestellt. Dies gilt beispielsweise für das wasserkraftreiche Norwegen.

Ein beispielhafter E-Roller aus Norwegen würde daher von vorneherein eine andere CO2-Bilanz aufweisen als das gleiche Modell aus China.


Folgende Faktoren haben Einfluss auf die CO2-Bilanz eines Elektrorollers:

  • Strommix bei (Bauteil)herstellung

  • Verwendete Produktionsmaterialien

  • Nutzung des E-Rollers im Allgemeinen (Gesamtlaufleistung in km, auf welchen Strecken etc.)

  • Strommix zur Batterieladung

  • Schonender Akkuumgang für lange Produktlebensdauer

  • Recyclingkreislauf für Akku und E-Roller-Komponenten

Aufgrund der Reichweite und Geschwindigkeit von E-Rollern sind städtische Gebiete das ideale Anwendungsgebiet. Daher vergleichen wir die Emissionen mit anderen Antriebsmethoden in einer ähnlichen Umgebung.

Die Emissionen der E-Roller betrachten wir dabei in drei Szenarien: Dem bestmöglichen Fall (niedrigste Emissionen), einem Mittelwert aller Daten und dem schlechtesten Fall (hohe Emissionen).


Emissionsvergleich verschiedener Fortbewegungsmethoden in g CO2 / Personenkilometer

Unter dem Personenkilometer versteht man die Orstveränderung einer Person um einen Kilometer. Die Werte hierfür belaufen sich wie folgt:

PKW-BenzinPKW-DieselÖPNVE-Roller
CO2 Ausstoß215 (a)175 (a)70 (b)66,13 – Worst-Case
25,58 – Middle-Case
4,375 – Best-Case

a CO2online.de, CO2-Ausstoß und Klimabilanz von PKWs                  

b Statista, „Höhe der Treibhausgas-Emissionen im deutschen Personennahverkehr (…)

Unsere detaillierte Recherche und die nachfolgenden Berechnungen können hier eingesehen werden. Es wurde grundsätzlich in CO2-Äquivalenten gerechnet. Das heißt: Alle während des Lebenszyklus produzierten Treibhausgase wurden in ihrem Treibauspotential in CO2 umgerechnet. Das ermöglicht einen einheitlichen Vergleichswert verschiedener Technologien. Unser Ziel ist es möglichst realitätsnahe Ergebnisse darzustellen.

Unsere Analyse ist nicht allumfänglich. Wir erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit.  Anmerkungen und Kritik nehmen wir gerne hier entgegen: hallo@scooterexperten.de.

E-Roller unterbietet Auto / öffentlichen Nahverkehr in Sachen CO2

Im oben beschriebenen Worst-Case-Szenario gehen wir von einer Gesamtlaufleistung von 30.000 km aus. Das entspricht 600 vollen Ladezyklen bei einer Rollerreichweite von rund 50km. Eine solche Kapazität gibt der E-Roller Hersteller Niu beispielhaft für seine Akkubatterien an. 10 Bei einer einfachen Strecke von 25 km zum Arbeitsplatz, entspricht das einer möglichen Laufleistung von ca. 3 Jahren.

Selbst im ungünstigsten Produktionsfall, beispielsweise bei einer Herstellung in Asien, wird bei einem E-Roller damit weniger CO2 pro gefahrenem Kilometer freigesetzt, als bei der Fahrt mit dem Verbrennungsmotor des PKW oder dem öffentlichen Nahverkehr auf derselben Strecke.

Die Produktions- und Transportemissionen von Autos, Bussen und Bahnen sind hier noch nicht einmal mitinbegriffen.

Die Rechnung geht allerdings erst bei entsprechender Nutzung auf: Mindestens 27.808 gefahrene Kilometer sind notwendig, damit der E-Roller in der Nutzung effektiver abschneidet als der öffentliche Nahverkehr.

Wird der Roller nach einem halben Jahr entsorgt oder nicht mehr genutzt, teilen sich die Produktionsemissionen natürlich auf eine deutlich geringere Gesamtlaufleistung auf. Damit steigen die Emissionen pro gefahrenen Kilometer rechnerisch.

Kurz lässt sich zusammenfassen: Je weniger der E-Roller gefahren wird, desto schädlicher ist die Umweltauswirkung in Relation.

Außerdem wichtig zu bedenken: Wer keinen 100% Ökostrom tankt, produziert folglich durch das Laden des Rollers Treibhausgase, die sich negativ auf die CO2-Bilanz auswirken.


E-Roller bieten eine echte Alternative für kurze Autofahrten

Elektroroller sind dann als umweltfreundliche Alternative zu verstehen, wenn sie auch tatsächlich eine Auto- oder ÖPNV-Fahrt ersetzen.

Das Potenzial dafür ist jedoch gegeben: Laut E-Tretrollerhersteller Bird sind 40% aller Autofahrten maximal 3,2 km lang oder kürzer. 6 Gerade diese Kurzstrecken können problemlos emissionsfrei mit einem E-Roller gefahren werden.

Wer allerdings die üblichen Fuß- oder Fahrradwege mit dem E-Roller zurücklegt schont die Umwelt nicht. Denn in Sachen CO2-Bilanz bleibt das zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren an der Spitze.

Dadurch beschränken sich die Vorteile des E-Rollers auf Routen, die zu Fuß zu weit und für das Auto zu kurz sind. Wie der E-Roller unter echten Alltagsbedingungen abschneidet, darüber haben wir in diesem Artikel berichtet.


Wehrmutstropfen Akku: Fragwürdige Abbaubedingungen von Kobalt

Ein Großteil der in E-Rollern verbauten Lithium-Ionen-Batterien benötigt Kobalt. Der Rohstoff wird jedoch bald knapp und darüber hinaus unter zweifelhaften Bedingungen gewonnen. 7a

Der Kongo besitzt mit über 50% die mit Abstand größten Kobaltreserven. 7  Oftmals geht der Abbau jedoch mit untragbaren Arbeitsbedingungen einher, teilweise auch mit Kinderarbeit.

Es zeichnet sich jedoch ein positiver Trend ab: Auch die Akkutechnologie macht Fortschritte in Sachen Ressourceneffizienz und am Einsatz von alternativen Rohstoffen wird intensiv geforscht. Außerdem schreiten Recyclingverfahren für Batterien weiter voran.

Wenn du umweltfreundlich E-Roller fahren willst, dann…

  • bevorzuge eine E-Roller Produktion in Zentraleuropa und verzichte auf Billigmodelle aus Übersee
  • nutze den Roller vor allem auf Strecken, die du bisher mit dem Auto oder Taxi zurückgelegt hast

  • achte beim laden Deines E-Rollers auf die Nutzung von 100% Ökostrom

  • solltest du mit deinem E-Roller-Akku schonend umgehen und ihn sachgerecht laden, um ihm eine möglichst lange Lebensdauer zu ermöglichen

  • koste die Lebenszeit deines E-Rollers voll aus! Dann rechnen sich auch die angefallenen Emissionen während der Produktion
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Tamara

Tamara ist unsere "Queen of Content:" Wenn sie nicht gerade durch die Welt reist, Tiere rettet oder Strände von Müll befreit, unterstützt sie uns im Innovation Lab der eprimo GmbH, unsere Artikel und Projekte in passende Worte zu verpacken. Aber nicht nur beim richtigen Ausdruck, auch in Sachen Design arbeiten wir immer wieder mit der staatl. geprüften Gestaltungs- und Medientechnischen Assistentin zusammen.
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